Ich kann auch anders: Raus aus den Schubladen!

Die Elementaren Kommunikationstypen®

Respektvolle Kommunikation zwischen jungen und erfahrenen Mitarbeitern

Interview mit Isabel Garcia über ihr praxisbewährtes Kommunikationsmodell
der 4 Elementaren Kommunikationstypen®

1.Teil

MEHRWERT:   Endlich lüftet Isabel García das Geheimnis ihres alltagsnahen und emotional wirksamen Kommunikationsmodells für gelingende, aufmerksame  Kommunikation (verbal – nonverbal). In ihrem neuen Buch „Ich kann auch anders“ zeigt sie uns eine bemerkenswerte ganzheitliche Strategie zum emotionalen „WARUM“ und „WIE“ der 4 Elementaren Kommunikationstypen® (Erde, Feuer, Wasser und Luft) auf , die auch komfortablen Rückenwind in die Zusammenarbeit altersgemischter Dream-Teams bringen kann.

Höchste Zeit also, mit Isabel den Mehrwert des Modells und der unterschiedlichen Kommunikationstypen genauer zu beleuchten: für erfahrene Führungskräfte und Personalverantwortliche aller Generationen, junge und erfahrene Wissensträger als auch Bewerber.

Seit über sieben Jahren ist sie für mich der Inbegriff einer bewegenden Stimme im ursprünglichen Wortsinn. Sie lebt ihre Berufung als Kommunikations-/Rhetorikexpertin, eloquente und humorvolle Rednerin und Bestsellerautorin. 2013 erhielt sie zweimal den Publikumspreis als beste Rednerin. Die Techniken ihres Kult-Hörbuchs und Bestsellers „Ich REDE. Kommunikationsfallen und wie man sie umgeht„, teile ich seit langem mit vielen meiner Laufbahnkunden.

In unzähligen Seminaren hat sie Führungskräfte wie Teams, Persönlichkeiten jeder Altersstufe befähigt, wirksam die Techniken der Rhetorik, Kommunikation, Stimme und Körpersprache anzuwenden. Soviel zum „WAS“.

Liebe Isabel, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.

In deinem Buch sagst du, dass wir bereits alle Kommunikationstypen in uns tragen. Warum nehmen wir meist nur einen Teil davon wahr?

ISABEL: Weil wir hauptsächlich das wahrnehmen, was wir ausleben. Und einige Menschen leben eben nur zwei oder drei Kommunikationstypen aus. Warum? Weil dies stark von unserem Umfeld abhängt, von den Freunden, dem Beruf, den Lebenspartnern, der Kindheit, der Erziehung … ich könnte nun ewig weiter machen.

Kleines Beispiel: Wenn ein Kind ständig von den Eltern hört, dass er sich mal zusammen reißen soll, weil nun der Ernst des Lebens beginnen würde, dann wird es wohl kaum weiterhin die Luft ausleben. Die wird ja mit der kindlichen, leichten Note häufig bestraft und wir denken häufig, dass dies ein Teil ist, den wir in der Kindheit zurücklassen sollten.

Oder wenn ein Mitarbeiter sehr emotional ist, dann wird ständig geraten, sich eine dickere Haut zuzulegen und bloß keine Schwäche zu zeigen. Wenn im Umfeld vorgelebt wird, dass nur die ernsthafte Erde oder das charismatische Feuer in diesem Unternehmen erwünscht sind, dann passen sich Einige Stück für Stück an.

Wir unterdrücken somit auch häufig Anteile in uns, weil sie vermeintlich albern sind oder zu wehleidig. Doch dieses Bild, wie Erwachsene zu sein haben, das ist ein typisches Bild der Deutschen. In den skandinavischen Ländern wird ganz viel Leichtigkeit und kindliche Neugierde in der Führungsebene gelebt und das wirkt sich dann auch auf die Mitarbeiter aus.

MEHRWERT: Führungskräfte und Personalverantwortliche stehen vor Herkulesaufgabe, den Umbruch der Arbeitswelt generationensensibel zu steuern. Längere Lebens- und Arbeitszeiten zwischen Digitalisierung und demografischer Entwicklung zwingen Unternehmen umzudenken. Laut Hays Studie „HR-Report 2015/2016“ wird im Bereich Kommunikation der Transparenz (81 %), der wertschätzenden Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern (72 %) und der Etablierung einer Feedbackkultur (69 %) höchste Bedeutung beigemessen. Soweit die Theorie.

Wie erlebst du die Praxis?

ISABEL: Leider erlebe ich in der Praxis noch häufig, dass sich die beiden Kommunikationstypen Erde und Feuer nach oben arbeiten. Und diese beiden Führungsstile lieben Regeln und Hierarchie im Unternehmen. Beide haben nicht allzu viel Interesse an einem wertschätzenden Miteinander. Die Erde nicht, weil ihr zu viele Emotionen ein Graus sind und das Feuer interessiert sich nur für sich selbst.

Diese Kommunikation der Transparenz und der Wertschätzung, um eine Verbindung herzustellen, sind Stärken von Wasser und Luft. Denn Wasser denkt hauptsächlich an den anderen und Luft denkt immer ans Team. Das sind die verbindenden Anteile in uns, wenn wir sie ausleben würden.

Wir haben alle die sachliche, souveräne Erde in uns, wir haben alle das charismatische, egoistische Feuer in uns, ebenso das empathische, wertschätzende Wasser und die stürmische, kreative Luft. Somit steckt in jedem Menschen das ICH, das DU und das WIR. Ich erlebe es aber häufig, dass hauptsächlich die ICH-Fraktion an der Macht ist (Erde und Feuer) und wenig Verständnis und Geduld für die neue Generation hat, weil die zu verspielt ist.

Dabei leben die jüngeren Generationen eine Mischung aus Feuer und Luft aus. Das ist nicht besser oder schlechter. Es ist nur anders. Und wenn somit die ältere Generation mal wieder mehr Luft in sich zulassen würde, dann wäre ein Treffen auf Augenhöhe ein Kinderspiel. Und generell darf auch das Wasser mal wieder ernst genommen und in Unternehmen mehr ausgelebt werden. Kommt allerdings in vielen deutschen Unternehmen noch nicht vor.

MEHRWERT: Das Konfliktpotenzial zwischen den Generationen wird oft durch die persönliche Wahrnehmung verstärkt. Sich unvoreingenommen auf den anderen einzulassen, scheint immer noch sehr schwer zu sein. Die Voraussetzung einer respektvollen Zusammenarbeit in Unternehmen ist die Möglichkeit mehr voneinander zu erfahren, sich auszutauschen, voneinander zu lernen.

Ist Sensibilität in der Kommunikation zwischen Jung und Erfahren eine Stärke?

ISABEL: Sensibilität und Feinfühligkeit sind eine Voraussetzung für mehr Achtsamkeit und dadurch auch Verständnis. Daher ist es durchaus eine Stärke. Im Achtsamkeitstraining gibt es die schöne Frage: „Was braucht mein Gegenüber, damit wir uns verstehen?“ Weg vom „was will ich“ hin zum „was braucht mein Gegenüber“.

Es geht dabei weniger um die Inhalte (Gehaltserhöhung, besserer Posten), sondern vielmehr darum, welche Art der Ansprache es braucht. Manche möchten keinen Smalltalk vor einem wichtigen Gespräch, manche brauchen ihn dringend. Manche verzichten auf den Ausbau der Beziehungsebene und wollen sofort über Zahlen, Daten und Fakten reden und manche brauchen dringend die emotionale Komponente im Gespräch. Die Frage ist, was Ihr Gegenüber braucht, damit Sie die richtige Ansprechhaltung finden.

Es geht mir nicht darum, jedem Mitarbeiter nach dem Mund zu reden, sondern vielmehr um ein Gespräch auf Augenhöhe. Denn nur auf Augenhöhe ist meines Erachtens ein gutes Gespräch möglich. Befehle können Sie auch von oben herab bellen (Erde, Feuer). Die Frage ist, ob dies von der jüngeren Generation noch akzeptiert wird. Wenn Sie diese auch erreichen möchten, dann geht es um die Augenhöhe und das ist das Element Luft oder Wasser.

Wenn Sie sich mit den unterschiedlichen Kommunikationstypen in sich mehr auseinandersetzen, dann haben Sie automatisch mehr Verständnis für anders denkende Menschen.

Welche der Grundhaltungen stärkt aus deiner Sicht die Reflektion zu den drei großen „V“: Verbindlichkeit, Vertrauen und Verantwortung?

ISABEL: Keine leichte Frage. Die Erde ist verbindlich. Sie hält sich stets an Regeln. Dadurch vertrauen auch viele der Erde, weil sie so schnörkellos ist. Jeder weiß, was er von der Erde bekommt. Und definitiv übernimmt Erde auch die Verantwortung. Nicht umsonst werden die Stärken der Erde in fast jedem Kommunikationstraining beigebracht. Sie ist toll. Allerdings auch mit sich alleine glücklich und mag nicht über Gefühle reden. Deswegen ist die Erde kein verbindendes Element.

Das Feuer ist charismatisch, ein perfekter Vertriebler und rockt jede Bühne, doch bei diesen drei Schlagworten verliert das Feuer. Feuer denkt nur an sich und ist daher nur verbindlich, wenn es selbst einen Vorteil davon hat. Deswegen wird dem Feuer nicht vertraut. Und Verantwortung übernimmt das Feuer bestimmt nicht. Feuer stirbt, wenn man Feuer von der Bühne holt. Wenn es einen Fehler zugeben würde, stirbt es. Wenn es für andere in die zweite Reihe rückt, dann stirbt es auch. Deswegen sind es häufig Rechthaber, die bestimmt keine Panne eingestehen und die Verantwortung übernehmen. Feuer übernimmt nur Verantwortung bei Dingen, die toll gelaufen sind. Das Feuer ist das toll und wichtig, aber in diesem Bereich kein guter Ratgeber.

Das Wasser schafft Vertrauen, weil Wasser so empathisch und zugewandt ist, dass es jeden anderen Menschen verstehen kann. Das schafft eine gute Beziehungsebene und somit Vertrauen. Wasser ist leider nicht allzu verbindlich, denn es fließt mal dort hin und mal hier hin. Da Wasser jeden Menschen verstehen kann, wird er nicht treu einem Mitarbeiter zur Seite stehen, sondern versteht auch die Gegenseite. Und zum Thema Verantwortung: Das übernimmt das Wasser. Allerdings auf eine sehr gefühlvolle Art und Weise. Häufig auch in Form von Jammern, was es für andere häufig unerträglich macht. Somit schafft Wasser zwar eine gute Verbindung, doch ist kein klarer Gewinner bei diesen Schlagworten.

Kommt noch die Luft. Die Luft ist nicht verbindlich, weil sie sich für so viele unterschiedliche Dinge interessiert, dass er von einer Idee zur nächsten springt und keine zu Ende bringt. Schafft die Luft Vertrauen? Sicherlich. Weil sie  ans Team denkt und somit stets bemüht ist, einen Weg zu finden, der für alle gut ist. Luft übernimmt auch im Team gerne mal die Verantwortung, nimmt sie allerdings häufig auf die leichte Schulter.

Somit ist eine Mischung aus drei Kommunikationstypen in diesem Fall die beste Variante: Das Wasser und die Luft sorgen für eine Verbindung und dadurch entsteht Vertrauen. Und die Erde ist dann für die Verbindlichkeit da und übernimmt auch die Verantwortung.

Im zweiten Teil des Interviews erfahren Sie, wie Sie mit diesem Modell Ihre Stärken bewusst aktivieren können, die schon in Ihnen schlummern. Und wie Sie als erfahrene Führungskraft eine gute Ansprechhaltung für junge Mitarbeiter finden.

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